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Buch des Monats

Das Ding ist: Man kann auch anders über Rassismus sprechen

GIna Hitsch & Martin Freres

Wer sie von ihren schlagfertigen Videos auf Instagram kennt, wird sie schon an ihrem ikonischen Spruch „Das Ding ist..“ erkennen. In ihrem neuen Buch folgt auf den Spruch keine Beobachtung über DitundDat, sondern eine muntere Auseinandersetzung mit Rassismus und Sexismus.

Rezension von Eunice Asieduaa

„Das Ding ist, man kann auch anders über Rassismus sprechen“ heißt dieses Buch von Gina Hitsch. Ihr Mann Martin Freres hat es mitgeschrieben, und das macht das Buch zu einer ehrlichen, sehr persönlichen Abrechnung mit der Beziehung der beiden, die vor allem davon lebt, dass Martin lange glaubte, Gina würde gelegentlich übertreiben — ein Klassiker, wenn Betroffene von Diskriminierung erzählen und das Gegenüber erst einmal die Lautstärke der Erfahrung regulieren möchte.

Gina erzählt von ihrer Kindheit in einer Familie, in der über Rassismus kaum gesprochen wurde. Ihre Mutter ist schwarz und stammt aus Ghana, ihr Vater ist weiß und deutsch. Erst im Kindergarten wurde ihr bewusst, dass sie „anders“ wahrgenommen wird, und zwar als ein anderes Kind nicht glauben konnte, dass ihr weißer Vater wirklich ihr Vater sei. Diese Erfahrung beschreibt sie als prägend und zeigt eindrücklich, wie früh rassistische Denkmuster entstehen.

Sie berichtet - mit ihren Erfahrungen im Arbeitsleben - von einem wiederkehrenden Problem: Viele weiße Menschen bemerken oft nicht, wann sie sich diskriminierend äußern. Wenn Betroffene ihre Verletzung ansprechen, folgen häufig Reaktionen wie „So war das nicht gemeint“ oder „Das ist doch nicht so schlimm“. Praktischerweise verschiebt sich damit der Fokus sofort weg von der Verletzung und hin zur guten Absicht der Person, die sie verursacht hat. Dialog kann so natürlich nur bedingt entstehen.

Was dieses Buch für mich besonders macht: Viele von Ginas Erfahrungen konnte ich nachvollziehen, vieles kam mir bekannt vor. Als Betroffene konnte ich vieles zwischen den Zeilen lesen. Martins Sicht auf ihre Beziehung, die ehrliche Schilderung seiner Gedanken, hat mich stellenweise wütend gemacht, etwa wenn er sich bemühte, aber sich nicht ausreichend anerkannt fühlte. Immerhin: Seine Offenheit macht seinen Entwicklungsprozess nachvollziehbar und zeigt, wie schwierig es sein kann, eigene Denkmuster zu erkennen. Deshalb gibt das Buch nicht nur Einblicke in die Erfahrungen einer Schwarzen Frau, es zeigt auch die Gedankenwelt eines weißen, sozialisierten Mannes, der sich selbst als progressiv versteht. Die kurzen Zusammenfassungen am Ende der Kapitel helfen, die wichtigsten Erkenntnisse mitzunehmen.

Das Buch zeigt den mühsamen Lernprozess hinter den Erfahrungen einer Beziehung; genau hier setzen Gina und Martin an. Sie entwickeln Strategien, um solche Gesprächssituationen konstruktiver zu gestalten und zeigen, wie Austausch gelingen kann, ohne dass sofort Abwehr, Rechtfertigung oder verletztes Ego die Hauptrolle übernehmen. Das hebt es von vielen anderen Anti-Rassismus-Büchern ab, die häufig theoretischer oder belehrender sind. An einigen Stellen bleibt das Buch jedoch oberflächlich: Vor allem struktureller und historischer Rassismus werden kaum thematisiert, wodurch wichtige gesellschaftliche Zusammenhänge fehlen.

Gleichzeitig liegt darin auch eine Stärke: Das Buch wirkt nicht belehrend, es lädt eher zum Mitdenken und Reflektieren ein. „Das Ding ist…“ steht sinnbildlich für einen Einstieg in Gespräche, die sonst oft schwer oder unangenehm sind. Ich möchte das Buch vor allem Menschen empfehlen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Anti-Rassismus hatten oder glauben, bereits „genug“ zu wissen. Oder glauben, gegen Klischees, unbedachte Kränkungen und Rechthaberei gefeit zu sein. Das Ding ist: Man kann tatsächlich anders über Rassismus sprechen.

Gina Hitsch, Martin Freres: Das Ding ist: Man kann auch anders über Rassismus sprechen, Eichborn, Frankfurt am Main, 2026, 224 Seiten

Buch des Monats

Hitzetage

Was macht ein gutes Wochenende aus? Durchfeiern samt Katerfrühstück oder mit Ehepartner und Kind teuren Orangensaft beim Brunch trinken? „Hitzetage“ ist ein Roman über die großen Fragen des Lebens.

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Monstergott

Stell dir eine Welt vor, in der das, was du gesehen hast, überhaupt nicht schlimm ist“ – aber in so einer Welt leben Ben und Esther nunmal leider nicht. Caroline Schmitts Roman „Monstergott“ führt mitten hinein in eine evangelikale Freikirche in Deutschland: eine Gemeinschaft, die nach außen erstaunlich modern wirkt.

Buch des Monats

Die Assistentin

Der neue Roman von Caroline Wahl zeigt mit präziser Bitterkeit, wie ein ganzes Unternehmen Machtmissbrauch toleriert, befördert, provoziert. „Die Assistentin“ zwingt jede und jeden zur Positionierung – ohne Moralkeule.

Buch des Monats

Im Leben nebenan

Anne Sauer porträtiert in ihrem Debütroman „Im Leben nebenan“ zwei Versionen der gleichen jungen Frau: Der einen wird die Entscheidung über das Kinderkriegen abgenommen, die andere beginnt, ihren Entschluss anzuzweifeln, Mutter zu werden. Egal, wie du dich entscheidest – es ist falsch.

Buch des Monats

Before we were innocent

In „Before we were innocent“ erzählt Ella Berman nicht nur von einem Verbrechen, sondern vor allem davon, was danach bleibt – von Schuld, Schweigen und der Suche nach Wahrheit.

Buch des Monats

Zeiten ohne Wende

Christian Schweppe zeigt, warum Deutschlands sicherheitspolitische „Zeitenwende“ scheiterte – und was jetzt anders werden muss. Eine schonungslose Analyse, intensiver recherchiert und aktueller denn je.

Buch des Monats

Mama, bitte lern Deutsch

Eigentlich hätte das Buch „Mama, bitte lern Deutsch“ von Tahsim Durguns Mutter geschrieben werden sollen – denn es ist ihre Geschichte.

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Kein Licht wie die Sonne

Was bedeutet es, zwischen zwei Welten zu leben – ohne in eine wirklich hineinzupassen? Khashayar J. Khabushanis Debütroman „Kein Licht wie Sonne“ erzählt von Identität, Zugehörigkeit und den Herausforderungen, seinen Platz in der Welt zu finden.

Buch des Monats

Das große Spiel

Wie man es schafft, mit einem Roman Hoffnung zu stiften in trostlosen Zeiten? Richard Powers fragen!